Einleitung

Vom 2. bis zum 21.3.

„Da kann man nichts machen.“

Resignation macht sich breit, wenn mal wieder eine politische Entscheidung getroffen wird, bei der man als Bürger_in nicht mit einbezogen wurde. Aber ist es nicht gleichzeitig die Akteptanz der bestehende Verhältnisse, eine Einverständniserklärung, dass untransparente Entscheidungen getroffen werden dürfen, über unser aller Köpfe hinweg? Sind wir wirklich der Meinung, dass die politischen Entscheider alle und wir selbst keinerlei Macht haben? Diese haltung kann nicht zu einer Demokratie passen, von der doch behauptet wird, dass das Volk der Soverän sei, dass also die Macht vom Volke ausgehe.

Was aber passiert, wenn wir jene Einstellung einmal ausstellen, wenn wir einmal vorübergehend nicht an das allgemeingültige „Da kann man nichts machen“ glauben? Was geschieht, wenn die Vertreter eine Entscheidung ohne die Bürger_innen zu treffen versuchen, diese aber nicht daran glauben, dass sie dagegen nichts machen können?

“Wir sind, was wir denken. Alles was wir sind, entsteht mit unseren Gedanken. Mit unseren Gedanken machen wir die Welt.” (Buddha)

Als Bürger_in politisch etwas zu erreichen bedeutet Arbeit, Einsatz, Durchhaltevermögen und Engagement. Der Weg ist mit Hindernissen gepflastert und mit Niederlagen gesäumt. Wie ernst die Meinung von Bürgern oftmals genommen wird, können wir an Stuttgart 21 oder an TTIP sehen. Was ist der Grund, warum trotz der massiven Bedenken und Gegenstimmen vieler Bürger_innen, NGO’s, Parteimitglieder und selbst Unternehmen an Entscheidungen der „Repräsentanten“ festgehalten wird?

Aber es gibt auch Beispiele erfolgreichen Widerspruchs:
Das geplante Urheberrechtsabkommen ACTA (Anti-Counterfeiting Trade Agreement deutsch: Anti-Produktpiraterie-Handelsabkommenwurde) wurde aufgrund großen, internationalen Protest vom EU-Parlament am 04. Juli 2012 mehrheitlich doch abgelehnt. Auf regionaler Ebene wurde beispielsweise der Bau der „Würzburger Arcaden“ am Bahnhof nach erfolgreichem Bürgerentscheid mit über 20.000 entschiedenen Stimmen Würzburger Bürger_innen verhindert. Auch die Stadtbücherei im Falkenhaus ist dem massiven Einsatz einer Bürgerinitiative mit über 23.000 Stimmen zu verdanken. Der Stadtrat sah demnach 1993 von dem ursprünglichen Plan ab: Die Flächen im Falkenhaus an den angrenzenden Kaufhof in Millionenhöhe zu verkaufen. Was ist entstanden? Ein Ort der Begegnung, der Kultur, der Bildung im Herzen der Stadt, statt die rentable Konsumalternative. Und das durch engagierte Bürger_innen, die nicht eine Sekunde „Da kann man nichts machen.“ gedacht haben.

Was müssen wir also tun, damit wir den Mut finden, Politik mitzugestalten, aktiv werden gegen Entscheidungen, die wir für falsch erachten?

In den ersten zwei Märzwochen wollen wir uns im Freiraum Würzburg treffen, anhören, wie unterschiedliche Menschen sich auf unterschiedliche Arten und Weisen engagieren, und welche Motivationen sie antreibt. Und dann? Das dazugehörige Handwerkszeug lernen! von A nmeldung einer Demo bis Z usammenschluss von Initiativen, von regional bis international.

Den Anfang macht ein theoretischer Input zu anarchistischen Ansätzen, in Bezug auf die eigene Person und die eigenen Gedanken, auf Gesellschaft, Kapitalismus und Politik. In der dritten Märzwoche laden wir zu einer Runde, in der wir uns Zeit nehmen, politisch zu handeln. Dazu werden wir uns am ersten Abend über aktuelle Unzufriedenheiten austauschen und entscheiden, welche Themen uns am wichtigsten erscheinen, um sie aktiv anzugehen.

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