Hallo Mensch!

Schön, dass du hier bei mir gelandet bist! Ich bin ein Umsonstladen. Du darfst hier einfach nehmen, was dir gefällt. „Wie“- denken Menschen, die mich zum ersten Mal kennenlernen – „ganz ohne Geld? Aber sollte ich dann nicht wenigstens ein anderes Kleidungsstück zum Tausch zurücklegen?“ Meine Erfahrung ist, das in meinen Regalen niemals Mangel herrscht – denn wir leben in einer Überflussgesellschaft – die den Überfluss nur leider nicht gerecht verteilt. Wenn es aber genug für alle gibt, kannst du dich doch einfach nach deinen Bedürfnissen bedienen! Und wenn du etwas nicht mehr brauchst, dann kannst du es zu mir (zurück) bringen.

Zu mir zu kommen, statt dir neue Dinge zu kaufen, ist ein kleiner Akt des friedlichen Widerstandes – du entziehst dich damit dem kapitalistischen Kreislauf von Konsum, Konkurrenz und Leistungsdenken.

Oft erlebe ich, dass sich Menschen vor meinen Regalen begegnen, ins Gespräch kommen und sich kennenlernen. Eine Person sagte „lustig, dieses Kleid hat meine Oma für mich damals genäht. Das war mein Lieblings-Sommerkleid. Wie schön, dass es bei dir einen neuen Platz findet!“

Manchmal kommt ein Mensch, der mich noch nie besucht hat, zu mir und fängt an, mich zu ordnen, Kleidung zusammen zu falten, sich um mich zu kümmern. Das liebe ich an meiner Existenz – jeder Mensch darf Verantwortung für mich übernehmen – und niemand muss!

Meine wichtigste Philosophie ist: Nimm, was du brauchst und gib, was du geben magst!

Solidarische Grüße,
dein Umsonst-laden

Veröffentlicht unter Allgemein | 1 Kommentar

Position des FreiRaums Würzburg zu #LockdownCapitalism

Seit Ende Januar gehen in Würzburg regelmäßig Menschen unter dem Motto #LockdownCapitalism (LC) auf die Straße, die das staatliche Management zur Eindämmung der Covid19-Pandemie und den Umgang mit der daraus resultierenden sozialen und wirtschaftlichen Krise kritisieren. Gemeinsamer Nenner dieses neuen Protest-Bündnisses ist eine kritische Haltung zu den Maßnahmen, die zugleich die Gefahr der Krankheit ernstnimmt und strukturelle Hintergründe im Blick hat, die sowohl zur Aufrechterhaltung der Pandemie als auch zu einer verschärften sozialen Ungleichheit und gesellschaftlichen Spaltung beiträgt. Kritisiert wird unter anderem, dass der Staat über Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen Anspruch auf eine strenge Reglementierung des Privatlebens erhebt, während der Arbeitszwang in ansteckungsgefährdeten Produktionsbetrieben und Großraumbüros (und zeitweise auch in Schulen und im vorweihnachtlichen Einzelhandel) aufrechterhalten wird – oder, um es drastisch verkürzt auszudrücken: „Du sollst funktionieren und konsumieren, aber darfst nicht leben.“ Des Weiteren wird angemahnt, dass die vielfach Betroffenen der Krise und diejenigen, die am meisten zum Allgemeinwohl beitragen, keinerlei ernsthafte Wertschätzung oder gar Unterstützung erhalten: Menschen in Care-Berufen, insbesondere Pfleger*innen und Erzieher*innen, werden weiterhin ausgebeutet und einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt, ohne einen angemessenen Lohn für ihre Tätigkeit zu bekommen. Kleine Betriebe und Selbständige in der Gastronomie und im Kulturbetrieb müssen monatelang auf existenzsichernde Hilfsgelder warten, während Großkonzerne milliardenschwere Unterstützungen erhalten und Milliardär*innen ihren Reichtum weiter vermehren können. Auf einer der Demos ist passenderweise von einem „Klassenkampf von Oben“ die Rede. Nicht zuletzt richtet sich LC auch gegen die Privatisierung der Gewinne, die mit den Impfstoffen gegen Covid19 erzielt werden und gegen das Zurückhalten der Patente; dadurch wird verhindert, dass die Impfstoffe weltweit in kürzester Zeit produziert und verteilt und so Menschenleben gerettet werden.

Im Laufe der LC-Demos, die nun insgesamt sieben Mal in Würzburg stattfanden, haben sich mehrere Forderungen herauskristallisiert, von denen wir nun einige, die uns besonders zentral erschienen, auflisten wollen:

  • Schließung nicht lebensnotwendiger Produktions- und Dienstleistungsbetriebe, wann immer ein Lockdown notwendig ist
  • keine Regulierung des Privatlebens, insbesondere keine Ausgangssperren
  • 15 Euro Mindestlohn
  • Vermögensabgabe #MakeTheRichPay
  • Existenzsichernde Unterstützung für Einzelpersonen und Kleinbetriebe in finanzieller Not
  • Aufnahme und Unterbringung von geflüchteten und/oder wohnungslosen Menschen #LeaveNoOneBehind
  • Bedürfnis- statt profitorientierte Verteilung von Wohnraum
  • Kostenlose Bereitstellung von Impfstoffen und Masken weltweit
  • Freigabe der Impfpatente
  • Konsequenter Klimaschutz während der Pandemie und insbesondere beim wirtschaftlich-sozialen Wiederaufbau danach #FightEveryCrisis

Wir als FreiRaum Würzburg begrüßen diese Forderungen im Grundsatz und möchten zu einem offenen Diskurs darüber aufrufen. Wir möchten beispielsweise dazu anregen, sich mit der Rolle von Staat und Staatsgewalt bei der Bekämpfung der Pandemie und ihrer Folgen genauer auseinanderzusetzen, und zwar im Hinblick sowohl auf die kritisierten Missstände als auch auf die Forderungen. Auch wenn die Pandemie eine Vielzahl von Einschränkungen von uns allen verlangt, kann der FreiRaum aufgrund seines Selbstverständnisses keine Schutzmaßnahmen befürworten, die staatlicher Verordnung und im Zweifelsfall polizeilicher Durchsetzung bedürfen. Wir möchten es daher nicht nur bei Forderungen nach gerechten Strategien im Kampf gegen die Pandemie und ihre Folgen belassen, sondern darüber hinaus einen Diskurs darüber anregen, wie Infektionsschutz Vermögensabgaben, Mindestlöhne und Existenzsicherungen durch Organisation „von unten“ anstelle staatlicher Kontrolle erreicht werden können. Was genau soll die „öffentliche Hand“ sein, die mit der Produktion und Verteilung der Impfstoffe betraut werden soll? Zugleich wünschen wir uns, dass staatskritische bis hin zu offen anarchistischen Positionen bei LC mehr Gewicht bekommen. Uns ist aufgefallen, dass sowohl die Redner*innen als auch die für Aufrufe und Berichte auf Schwarzlicht Verantwortlichen sich diesbezüglich bedeckt halten. Hin und wieder scheint jedoch, dass staatliche Kontrolle bei der Pandemiebekämpfung im Prinzip nicht in Frage gestellt wird, etwa wenn die gesetzgebenden und maßnahmenverordnenden Institutionen in Berlin und München als „die Politik“ bezeichnet werden. Die Politik, das müssen wir alle sein, als selbstorganisierte Gruppen, Räume und Bewegungen, lokal und weltweit!

Des Weiteren wünschen wir uns einen offenen politischen und wissenschaftlichen Diskurs im Umgang mit der Pandemie und eine diesbezügliche Abkehr von Dogmen. Für uns steht außer Zweifel, dass Covid19 gefährlich ist! Wir stehen jedoch einer Zero-Covid-Strategie, wie sie im Umfeld von LC immer wieder gefordert wird, eher kritisch gegenüber: Zum einen lassen sich umfangreiche Maßnahmen, die zu einer Reduktion des Infektionsgeschehens auf nahezu null führen, unter den gegebenen gesellschaftlichen Verhältnissen (und im Hinblick auf die derzeitige Infektionslage) nur unter massivem und/oder dauerhaftem Einsatz der Staatsgewalt realisieren; dies lehnen wir prinzipiell ab. Zum anderen ist auch aus wissenschaftlicher Sicht nicht geklärt, welchen Nutzen das massive Herunterfahren des öffentlichen Lebens hat. Kontaktverbote und Maskenpflicht unter freiem Himmel – und erst recht Ausgangsbeschränkungen – haben eine abschreckende, einschüchternde und schikanierende Wirkung, tragen jedoch so gut wie gar nicht zu weniger Covid19-Fällen bei, da sich mehr als 99% der Infektionen im Innenraum ereignen. Möglicherweise verschlimmern solche Maßnahmen die Pandemielage sogar, weil sie Menschen dazu bringen, sich durch Treffen in privaten Häusern der staatlichen Kontrolle zu entziehen; dort ist die Ansteckungsgefahr nämlich weitaus höher als auf öffentlichen Plätzen.

Diesen politischen und wissenschaftlichen Diskurs wollen nicht nur inhaltlich offen führen, sondern auch ohne Ansehen der Person. Dies schließt auch ausdrücklich Personen ein, die Aufrufen von „Querdenken“ oder dem Würzburger Ableger „Eltern stehen auf“ (ESA) gefolgt sind, solange sie die Gefährlichkeit von Covid19 anerkennen, sich von Antisemitismus, Rassismus und anderen Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit distanzieren und sich dem Prinzip der Gewaltfreiheit verpflichtet fühlen. Freilich erkennen wir die Notwendigkeit an, „Querdenken“-Positionen von den Demonstrationen auszuschließen: LC muss sich von ESA distanzieren, um eine antikapitalistische Kritik an den staatlichen Pandemiebekämpfungsmaßnahmen üben zu können, die die gegebenen Herrschaftsverhältnisse angeht. Wir lehnen ab, dies als pauschalen Ausschluss von Personen zu werten und kritisieren die mitunter gewaltvollen Worte in einigen Reden und Parolen, die sich nicht nur gegen Strukturen und politische Haltungen, sondern bisweilen auch ausdrücklich gegen Menschen richtet. Blockadeaktionen gegen ESA-Veranstaltungen sehen wir in diesem Kontext ebenfalls kritisch: Hier steht dem berechtigten Anliegen, antisemitische Narrative im öffentlichen Raum nicht ohne Widerspruch zu dulden, entgegen, dass (auch verbale) Gewalt zu Gegengewalt führt und antisemitische, rassistische und faschistische Ideologien damit noch leichter bei den ESA-Teilnehmer*innen verfangen. In einer bei Schwarzlicht erschienenen Stellungnahme vom 7. Dezember 2020 wird „Querdenken“ eine „plumpe ‚Wir gegen Die‘-Rhetorik“ bescheinigt, die sich gegenüber strukturellen Zusammenhängen verschließt. Wir als FreiRaum-Organisation wollen genau diese Denkart vermeiden und rufen daher alle Seiten zu einem gewaltfreien und friedvollen Diskurs auf, der sich auf Meinungsverschiedenheiten einlässt anstatt sie niederzubrüllen und dabei die Bedürfnisse der jeweils anderen an oberste Stelle setzt. Wir alle wollen auf diese Weise unseren Beitrag dazu leisten, jene kapitalistischen Strukturen zu beseitigen, die zu einem massiven ökologischen und sozialen Ungleichgewicht geführt haben!

Weitere Infos zu Lockdown Capitalism mit Demoberichten und Veranstaltungsaufrufen findet ihr bei @schwarzlichtwue

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen

Freiraum Lieferküfa am Sonntag (28.3.)

Update: Bestellungen werden bis Samstag 27.3. 14:00 aufgenommen. Bestellen sie jetzt und erhalten sie 20% Rabatt auf die freiwillige Spende!!!

Veröffentlicht unter Allgemein, küfa, VoKü | 1 Kommentar

der FreiRaum braucht Geld!

Liebe potentielle und schon Unterstützer*innen,

Obwohl der Freiraum  als ein geldfreier Schenk-Raum ein Gegenentwurf zum Konsumzwang sein möchte, sind auch wir auf Geld angewiesen. Um den Raum an sich geld- und tauschlogikfrei halten zu können, versuchen wir außerhalb des physischen Freiraums das Geld aufzutreiben, das wir für Miete und Nebenkosten benötigen (855+111 Euronen). Gerade reicht es noch für knapp 2 Monatsmieten, eher weniger.

Das Geld dafür kam in der Vergangenheit über Küfas, eine Spendenbox im Raum, ein Crowdfunding, (regelmäßigen) Spenden und v.a. Stiftungen zusammen. Einiges Davon ist Pandemie-bedingt schwieriger – und wir würden ohnehin gerne unabhängiger werden von größeren Förderungen und träumen von vielen Schultern, die die Finanzierung des Freiraums mittragen. Damit wir uns weiter unserem Hauptaugenmerk widmen können, einen Begegnungsraum zu kreieren, in dem Menschen einfach sein können – herrschaftsfrei, tauschlogikfrei, diskriminierungs-sensibel, kapitalismuskritisch. 

Wenn du dich angesprochen fühlst, den Freiraum unterstützenswert findest und das Projekt am Leben erhalten möchtest, freuen wir uns über deine Unterstützung!

Eine große Erleichterung für uns sind monatliche Daueraufträge!!!

damit wir längerfristige Planungssicherheit haben. (Wir können Spendenquittungen ausstellen:)

Freiraum Würzburg e. V.
IBAN: DE08 4306 0967 6040 2933 00
BIC: GENODEM1GLS 

Der Freiraum konnte pandemiebedingt nur sehr begrenzt für Menschen, Begegnung und Teilen von Wissen und Fähigkeiten da sein – wir freuen uns aber riesig auf ein Wiederbeleben sobald es möglich ist!

Sher on a Shier im Freiraum… diese Zeiten kommen wieder !!

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen

Nachhaltiger Konsum?!

Im Alltag begegnen uns überall Angebote, die unser nachhaltiges Herz höher schlagen lassen. Schuhe und T-Shirts aus Plastik, das aus dem Meer gefischt wurde, Lebensmittel mit nachhaltigem Palmöl und selbst an der Tankstelle gibt es mit E10 die Möglichkeit, den Tank zum Teil mit Biosprit zu befüllen. Es gibt Kaffeebecher aus Bambus hund das Essen to go kommt in einer Box aus Maisplastik, alles kompostierbar. Die Angebote suggerieren uns, dass wir einfach weiter konsumieren können und wir kein schlechtes Gewissen haben müssten, sondern ganz im Gegenteil: Wir retten die Welt mit unserem Konsum. Biertrinken für den Regenwald und mit Schuhen aus Plastik verhindern wir die Kunststoffinseln im Meer. Der grüne Konsum ist inzwischen in jeder Branche angekommen, selbst SUVs werden uns von Werbung und Unternehmen als nachhaltig verkauft und Fliegen wird dank CO2-Kompensation „klimaneutral“. Doch spätestens hier sollte die Frage gestellt werden, wie nachhaltig Konsum wirklich sein kann? 

Jedes Produkt, das wir kaufen, verbraucht Ressourcen, angefangen bei den Materialien, aus denen es besteht, über die Energie bei der Produktion, bis hin zum Transport. Auch für das Recyceln werden Energie und weitere Ressourcen benötigt. Wenn wir uns die Ressourcen anschauen, die theoretisch jedem Menschen auf der Welt zur Verfügung stehen, sieht man, dass wir allein in Deutschland drei Erden bräuchten, um uns unseren aktuellen Lebensstil weiterhin zu ermöglichen. Weltweit sind es im Durchschnitt 1,75 Erden. [1] Und diese Zahlen steigen immer weiter, und das obwohl es doch scheinbar immer mehr nachhaltige Produkte gibt.

Ein Grund hierfür ist der sogenannte Rebound Effekt. Die Autos und Flugzeuge werden sparsamer und verbrauchen weniger Treibstoff. Die Häuser sind immer besser gedämmt und auch die Elektroprodukte verbrauchen immer weniger Strom. Eigentlich eine erfreuliche Entwicklung. Doch gleichzeitig gibt es immer mehr Autos, mit denen wir immer häufiger fahren, auch unnötig kurze Strecken legen wir darin zurück; geflogen wird so viel wie nie zuvor. Ein Mensch hat heutzutage mehr Wohnfläche zur Verfügung als früher und besitzt so viele (Elektro-) Produkte wie noch nie. All dies hat zur Folge, dass mehr Sprit benötigt wird, trotz besserer Dämmung, die Energie für das Heizen steigt und auch die Ressourcen für die ganzen Produkte und die dafür benötigte Energie, weiter geplündert werden. Durch diesen vermeintlichen Fortschritt und neue Entwicklungen, die so schön sparsam sind, wird hauptsächlich der Konsum angekurbelt. Das Einsparungspotential, das die neuen Produkte eigentlich hätten, wird so zunichte gemacht und führen zum Gegenteil → einem erhöhten Ressourcenverbrauch. [2]  Die Unternehmen und ihre Werbetreibenden wollen das natürlich nicht wahrhaben und versuchen uns ein grünes gutes Gewissen schönzureden. Denn würden wir weniger konsumieren, wäre das schädlich für die Wirtschaft und das hochheilige Wirtschaftswachstum. Ein Sakrileg! Deshalb ist es das Ziel, den Konsument*innen zu vermitteln, dass es mit den richtigen Produkten keinen schlechten Konsum gibt und alles so weiter gehen kann wie bisher. Die Verantwortung wird so geschickt auf die Konsument*innen, also uns, abgewälzt. Denn schließlich hätten wir die Wahl, die „nachhaltigen“ Produkte zu kaufen und somit etwas Gutes zu tun. Oder nicht? 

Es ist ein Märchen, das uns leider viel zu erfolgreich vermittelt wird, um von der Verantwortung der Konzerne und Politik abzulenken. Einzelne Kaufentscheidungen können das System und die Strukturen nicht ändern. Das hört sich zunächst hart an und so gegensätzlich zu dem, was uns Werbung und Unternehmen vermitteln möchten. Doch würde ein Mensch in Deutschland rein gar nichts konsumieren, nichts essen und ohne Behausung in der Natur leben, lägen die CO2- Emissionen noch immer über dem, was als Klimaziel 2050 nötig wäre. Das liegt unter anderem an der Infrastruktur, die für alle da ist und Ressourcen verbraucht, auf die das Individuum keinen Einfluss hat; darunter fallen z.B. Straßenbau und Beleuchtung, Krankenhäuser, Polizei, Feuerwehr, Ämter. [3] [4] So richtig ist ein nachhaltiges Leben in Deutschland also eigentlich gar nicht möglich zumindest nicht, wenn wir nichts an der Struktur und dem System ändern. Wir dürfen uns nicht mehr nur als Konsument*innen sehen, deren Möglichkeit einzig und allein der Konsum von nachhaltigen Produkten ist und so dem vorherrschenden System nur dienen.

Wir müssen uns verabschieden von höchst undemokratischen Mythen wie „jeder Einkaufszettel ist ein Stimmzettel“ und dem Glauben, dass nachhaltiger Konsum nachhaltig etwas ändert. Sie passen gut in die Welt des grünen Wachstums und Konsums, sind jedoch haarsträubend und falsch. Das führt zu Gewinner*innen und Verlierer*innen. Nicht jede*r hat einen Bio- oder Unverpacktladen um die Ecke, nicht jede*r kann sich den Einkauf in solchen Märkten überhaupt leisten und auf ein Auto auf dem Land zu verzichten ist schwierig oder gar nicht möglich. Möchte man heutzutage möglichst nachhaltig einkaufen, benötigt das auch viel Zeit, für Recherche, Abwägen und Informieren. Diese Zeit kann auch nicht jede*r aufbringen. Wir dürfen uns nicht spalten lassen in Gruppen, die mehr oder weniger nachhaltig leben. Wir müssen alle zusammenhalten und es den Unternehmen nicht so einfach machen, sich aus der Verantwortung zu schleichen. Anstatt nur noch ethisch und ökologisch vertretbare Produkte anzubieten, werden die Konsument*innen vor die Wahl, zwischen mehr oder weniger ethisch und umwelttechnisch gute Produkte, gestellt. Dabei sind es die multinationalen Konzerne und großen Unternehmen, die für einen überwiegenden Anteil an Ressourcenverbrauch verantwortlich sind. Nur 20 Unternehmen sind für über 1/3 der CO2- und Methan- Emissionen seit 1965 verantwortlich und von diesen sind 12 in staatlichem Besitz. Der große Finanzinvestor Blackrock, der sich inzwischen gerne als grün und nachhaltig ausgibt, ist mit insgesamt 110 Milliarden Dollar der größte Investor in den zwölf klimaschädlichsten Großprojekten weltweit. [5] [6] [7] [8] 

Deshalb sind nicht wir in der Verantwortung, sondern die Politik und die großen Unternehmen und Konzerne. Wir dürfen uns nicht mehr nur als Konsument*innen sehen, sondern müssen uns als Bürger*innen wahrnehmen, wenn wir das Privileg dazu haben. Als Bürger*innen haben wir Rechte auf politische Mitbestimmung, durch die wir auf die Politik und die Unternehmen Druck ausüben können. Es ist an der Zeit, dass die Politik endlich die nötigen Rahmen schafft für eine Wende in der Klima- und Umweltpolitik und dass die Unternehmen Verantwortung übernehmen und nicht auf die träge Politik warten. Politischer Druck muss von Unten kommen.

Die Zeit der Selbstverpflichtungen ist vorbei. Lange genug haben wir dabei zugeschaut, wie selbstauferlegte Labels und eigenständige Kontrollen nichts Grundlegendes verändert haben. Wir dürfen uns nicht weiter täuschen lassen von den Bestrebungen der Unternehmen und müssen aktiv werden und unsere Bürger*innenrechte wahrnehmen. Unterschreibt Petitionen, verfasst Petitionen, schreibt Politiker*innen, geht auf Demos, organisiert Demos, übt zivilen Ungehorsam aus und informiert euer Umfeld. Kommt in den Freiraum und gestaltet mit uns eine tauschlogik- und geldfreie Alternative. Nur so können wir als Bürger*innen den Druck von Unten auf die Politik und die Unternehmen ausüben. Die Politik und die Konzerne sind in der Verantwortung, uns die Wahl zwischen mehr oder weniger nachhaltigen Produkten abzunehmen und dafür zu sorgen, dass es keine falsche Wahl mehr gibt! Leider ist die Politik träge und Veränderungen brauchen Zeit.

Und wir tragen trotz alledem Verantwortung für unsere Kaufentscheidungen und unseren Konsum. Doch egal was uns die Unternehmen versprechen, nachhaltigen Konsum gibt es nicht. Bevor ihr konsumiert, repariert alte und kaputte Geräte, tauscht Dinge, die ihr nicht mehr braucht oder kauft gebraucht. Seid kreativ und zweckentfremdet Geräte und haucht ihnen so neues Leben ein. Werdet vor allem politisch aktiv! Bildet euch und informiert andere. Geht auf die Straße und ruht euch nicht auf dem „nachhaltigen“ Konsum aus. Wir brauchen den Druck von Unten, dringend.   


[1] https://de.statista.com/infografik/10574/oekologischer-fussabdruck-die-welt-ist-nicht-genug/https://www.footprintnetwork.org/ 
[2] https://www.swr.de/swr2/wissen/broadcastcontrib-swr-11816.html
[3] https://www.greenpeace.de/co2fussabdruck
[4] https://www.quarks.de/umwelt/klimawandel/co2-in-zahlen-was-ist-viel-was-ist-wenig/
[5] https://www.tagesschau.de/wirtschaft/friedrich-merz-blackrock-nachhaltigkeit-101.html
[6] https://www.energiezukunft.eu/wirtschaft/diese-20-konzerne-treiben-die-klimakrise-voran/
[7] https://www.theguardian.com/environment/interactive/2013/nov/20/which-fossil-fuel-companies-responsible-climate-change-interactive
[8] https://utopia.de/nur-100-unternehmen-produzieren-71-prozent-der-industriellen-treibhausgas-emissionen-57116/

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen

KonsumKritik. Ein Text über Kleidung

Wusstest du, dass Menschen, die in Deutschland leben, im Schnitt 4,7 kg Textilmüll pro Jahr produzieren?
Von diesen 4,7 kg werden nur 10% weitergetragen oder verwertet, 24% werden C0² intensiv verbrannt. Mehr als die Hälfte landet auf offenen Deponien, meist fernab unserer Blicke in anderen Ländern. 

Fast Fashion lässt Herzen höher schlagen. Bis zu 24 Kollektionen im Jahr bieten Modehäuser an, von denen im Schnitt 60 Stücke pro Person jährlich gekauft werden – alle 6 Tage etwas Neues. Umso schneller werden die Sachen auch wieder aussortiert. Die durchschnittliche Tragedauer von Kleidung hat sich im Laufe der letzten 15 Jahre halbiert.

910 Euro geben Menschen in Deutschland im Schnitt für Kleidung im Jahr aus – Das sind um die 150 Euro mehr als der Jahreslohn von gelernten Näher*innen in Bangladesch – auch nach den Protesten, ausgelöst durch den Einsturz einer Fabrik.

Die Corona-Pandemie machte deutlicher denn je, dass für die Menschen in den Herstellungsländern die Arbeitsbedingungen katastrophal sind – während des Lock-Downs stornierten Klamottenmarken ihre Bestellungen – Tausende Arbeiter*innen verloren ihre Jobs, konnten ihre Familien nicht mehr versorgen, und die Massenunterkünfte der Fabriken teilweise wochenlang nicht verlassen. Die Solidarität in Zeiten der Pandemie machte auch hier, wie in vielen anderen Fällen, an nationalen Grenzen halt.

Diese Arbeiter*innen unterstützen wir nicht, indem wir Fast Fashion kaufen, sondern indem wir auf einen grundsätzlichen Systemwandel hinarbeiten – solidarisch, antikapitalistisch, antipatriarchal und antirassistisch. Denn solange wir den Maximen von Wirtschaftswachstum folgen, werden wir nicht wegkommen von Ideologien der Unterdrückung, Dominanz und Ausbeutung von marginalisierten Gruppen.

Was also stattdessen tun? Organisiere Kleiderschenk-Partys mit Freund*innen, sei kreativ im Reparieren und Upcyceln der Kleidung, mach dir deine Mode selbst, komm in den Umsonstladen, bilde dich weiter, setze dich mit Herrschaftstrukturen auseinander, sei solidarisch mit marginalisierten Gruppen und nutze deine Privilegien, um die Zukunft zu gestalten. 

Quellen:
https://missy-magazine.de/blog/2020/07/14/unfair-fashion/
https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/rekord-beim-textilmuell-jeder-deutsche-wirft-jaehrlich-4-7-kilogramm-kleidung-weg/25453254.html
https://www.br.de/radio/bayern2/textilbranche-in-deutschland-millionen-kleidungsstuecke-werden-in-deutschland-vernichtet-100.html
https://greenwire.greenpeace.de/system/files/2019-04/s01951_greenpeace_report_konsumkollaps_fast_fashion.pdf
https://fairwertung.de/blog/blog.24/index.html?entry=page.blog.24

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen

Umsonstladen ab heute auch Freitags 16-18 Uhr!

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen

Winterschlaf

Liebe Freigeister,der Freiraum ist im Corona-Winterschlaf, nur der Umsonstladen kann offen bleiben – wir wollen schließlich eine Alternative zum Konsum bieten.

Sichere Öffnungszeit ist Mittwoch von 17-19 Uhr. Spontane Öffnungszeiten kündigen wir hier an:)

Auch wenn momentan viel politisches Engagement nicht stattfinden kann – lasst uns die Zeit nutzen, kluge Bücher zu lesen, unsere eigenen Konsummuster zu hinterfragen, uns unser Privilegien bewusster zu werden und dann nach dem Winterschlaf umso kritischer, diskriminierungssensibler und lauter aufzuwachen!

Ein paar Empfehlungen:

Kübra Gümüsay – Sprache und Sein
David Graeber – Schulden. die ersten 5000 Jahre
Tupoka Ogette – Exit Racism (als Hörbuch kostenfrei verfügbar)

was könnt ihr empfehlen?

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen

SchreibRaum im FreiRaum

ACHTUNG! Termin von Dienstag auf Freitag verschoben!!!

Ab Freitag, den 30.10 geht es im Freiraum mit einer offenen Schreibwerkstatt los, zu der jede*r herzlich eingeladen ist!
Die Idee dahinter:
Wir treffen uns Freitags von 15-17 Uhr (nicht am 6.11 und 13.11), um unseren Gedanken freien Lauf zu lassen bzw. sie auf Papier zu bringen. Es werden jedes Mal neue Gedichte/Gegenstände/Bilder/Texte …. zur Inspiration mitgebracht. Dann wird in stillschweigender Ruhe geschrieben und am Ende darf vorlesen, wer möchte. Gerne kann der Rest der Gruppe dann auch Lob, Kritik und Anregungen äußern.

Kurz gesagt – es geht darum, sich kreativ und schreiberisch auszuleben, Motivation aus dem (Gruppen)Prozess zu schöpfen und nicht zuletzt um das Erforschen der eigenen, vielleicht noch verborgenen Talente.

Wir möchten die aktuelle Lage ernst nehmen und ihr mit notwendigen Maßnahmen begegnen – Es gilt Maskenpflicht ab dem Betreten des FreiRaums und während des gesamten Kurses. Vorher wird ordentlich gelüftet, Türgriffe werden desifiziert und die Tische/ Stühle so aufgestellt, dass der Mindestabstand eingehalten werden kann.

Komme, wer möchte.
Bis bald!

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen

Wieder wöchentliches offenes Orgatreffen

Mittwochs um 17 Uhr findet ab 21.10. wieder ein wöchentliches offenes Orgatreffen statt. Alle sind herzlich eingeladen den Freiraum mitzugestalten, ihre Ideen einzubringen oder Veranstaltungen zu planen. Komm gerne vorbei, lerne den Raum kennen, trinke einen Tee und setze mit uns gemeinsam Ideen um.

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen